{"id":2137,"date":"2023-08-03T19:47:30","date_gmt":"2023-08-03T19:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/burgspiele-altleiningen.de\/?page_id=2137"},"modified":"2023-08-23T07:01:04","modified_gmt":"2023-08-23T07:01:04","slug":"praedikat-wertvoll","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/burgspiele-altleiningen.de\/?page_id=2137","title":{"rendered":"2023 &#8211; Das kalte Herz"},"content":{"rendered":"<h6 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>Pr\u00e4dikat wertvoll<\/strong><\/h6>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Quelle: Rheinpfalz vom 28.07.2023 &#8211; Markus Clauer<\/h6>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<p><strong>Kulturreporter to go: Beim Verein Freilichtbu\u0308hne Burgspiele Altleiningen, einem Theaterenthusiasten-Projekt, das seit 43 Jahren existiert und bei dem sich freundliche Umweltingenieure in fiese Glasbl\u00e4ser verwandeln. Susanne Rechner fu\u0308hrt die Bu\u0308hne, die gerade Hauffs \u201eDas kalte Herz\u201c spielt, ehrenamtlich und in Vollzeit. Mehr Liebe geht nicht.&nbsp; <\/strong><em>Von Markus Clauer<\/em><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<p>Ein eher un-netter Typ, der Karl, erscheint mir so, Sonntagabend auf der Altleininger Burg, ein trinkfester Glasbl\u00e4ser und St\u00e4nkerer, der im Wirtshaus aus der Rolle f\u00e4llt, \u2013 oder vielmehr nicht f\u00e4llt. Auf offener Bu\u0308hne jedenfalls bekommt er eine gescheuert. Vom Kohlenbrenner-Peter Munk mit dem wechselwarmen Herzen, ach, in seiner Brust. Das hei\u00dft, eigentlich von Felix Decker, der 18 und statt mit fossilen Brennstoffen als Schu\u0308ler im normalen Leben noch mit Lernstoff besch\u00e4ftigt ist.<\/p>\n<p>Man wei\u00df das alles, weil es sich halt um Theater handelt: Wilhelm Hauffs M\u00e4rchenstu\u0308ck \u201eDas kalte Herz\u201c in der Fassung von Alise H\u00f6hn, das im 19. Jahrhundert spielt. Mittwochs morgens dann sitzt der Glasbl\u00e4ser-Karl dem Kulturreporter im Freizeitdress auch als der, der er wirklich ist, auf der Bu\u0308hne gegenu\u0308ber: Markus Barnert, ein rollenkontr\u00e4r sanftmu\u0308tig wirkender Umweltingenieur aus H\u00f6ningen in einer Kulisse aus Sausenheimer Wellpappe. Sein freundliches, b\u00e4rtiges Gesicht. Er spricht auch weniger volumin\u00f6s. Jungsgeschrei schallt durch die Tu\u0308r ins historische Gem\u00e4uer, in dem das Hauff-Stu\u0308ck u\u0308ber einen Jungen, Arbeiterschicht, der sein Herz verkauft, um reich, b\u00f6se und unglu\u0308cklich zu werden, am n\u00e4chsten Sonntag zum letzten Mal l\u00e4uft. L\u00e4uterung und Happy-end inklusive. Markus Barnert ist neben Glasbl\u00e4ser Karl auch so etwas wie ein Aktivist. Der stellvertretende Vorsitzender des Vereins Freilichtbu\u0308hne Burgspiele Altleiningen. Die er formal vertritt, sitzt zwei Hocker weiter: Susanne Rechner, so etwas wie Kopf und Gehirn der Vorzeige-Amateurtheatertruppe aus der 1800-Einwohner Gemeinde. Und das in zweiter Generation. Die Vorsitzende, Regisseurin, Verwaltungsfachfrau, Bilanzbuchhalterin, Gema-Beauftragte und Ehefrau von Martin Steinmetz, der mitgekommen ist und das Marketing macht fu\u0308r den \u201eI-Club\u201c. So nannte Susanne Rechners Vater Willy die von ihm gegru\u0308ndete, zun\u00e4chst noch lose Gruppe. \u201eI\u201c fu\u0308r \u201eIdealisten\u201c und \u201eIdioten\u201c, wie sie u\u0308bersetzt.<\/p>\n<p>Am Anfang war, wie in einer 2005 zum 25. Jahrestag des Burgspiele-Bestehens herausgegebenen Festschrift steht, ein unscheinbares Inserat, das am 20. September 1979 unter \u201eSonstige Nachrichten\u201c im Amtsblatt Hettenleidelheim erschienen ist: \u201eTheatergruppe Altleiningen sucht Helfer und Mitwirkende. Damen und Herren, die anl\u00e4sslich der 1200-Jahr- Feier von Altleiningen bei der Theatergruppe Burgspiele Altleiningen als Schauspieler, Bu\u0308hnentechniker, Maskenbildner, Maler, Ton- und Lichttechniker mitwirken wollen, m\u00f6gen sich bitte melden bei Willy Rechner, Mozartstra\u00dfe 1, Altleiningen\u201c. Eine, die sich gemeldet hat, ist Ute Schmitt. 44 Jahre sp\u00e4ter, im Hauff-Stu\u0308ck, spielt sie jetzt die Munkin, Peter Munks Sohngeplagte Mutter. Inzwischen ist die Freilichtbu\u0308hne eine u\u0308ber das Leininger Land strahlende Institution.<\/p>\n<p>Theater der offenen Tu\u0308ren Gespielt wird in einem eigenen Theater, wenn man so will. Einem von der Gemeinde zur Verfu\u0308gung gestellten Saal auf der zur Jugendherberge umgenutzten Burgruine. Vor u\u0308ber 200 Zuschauenden. Meist ist restlos ausverkauft. Das \u201eFreilicht\u201c f\u00e4llt durch die offenen Tu\u0308ren auf die Bu\u0308hne. Das Publikum spendet Szenenapplaus. Der Verein hat 110 Mitglieder \u2013 Alter: zehn bis u\u0308ber 80 \u2013, die zuallermeist aus der Gegend stammen. Das \u201eMehrgenerationen-Projekt\u201c, wie Markus Barnert das nennt, geh\u00f6rt selbst zum offiziellen Freilichtbu\u0308hnenverband. Und die studierte Historikerin Susanne Rechner, Jahrgang 1964, die, wie schon so sehr oft, auch Hauffs \u201eDas kalte Herz\u201c inszeniert hat, betreibt das Ehren- als mit Applaus bezahltes Hauptamt, das in der Sommersaison u\u0308ber die 40-Stunden-Woche weit hinausgeht. Derweil kommt Peter Steidel vorbei, um noch einmal kurz die Technik zu checken. Durch eine \u00d6ffnung auf der Bu\u0308hne verschwindet der \u00e4ltere Herr u\u0308ber einen Stuhl nach unten, auf dem normalerweise die Souffleusen Anja G\u00f6\u00dfling und Edda McColgan Platz sitzen. Wie die beiden ist auch er so einer, ohne den die Burgspiele nicht stattfinden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Susanne Rechner sagt, dass jetzt auch wieder um die 40 Akteure und Helferinnen beteiligt seien, schauspielernd, in der Maske, an der Kasse, als Musiker, Techniker, beim \u201eHofdienst\u201c, Schreinern, Schneidern und Plakatentwerfen. Die Kostu\u0308me, die das Historische mit aufgemalten Schleifen fein verfremden, hat sich zum Beispiel Kim Karen Eckert ausgedacht. Eine heimgekehrte Web-Designerin, die wieder mitmacht. Die Julia aus Shakespeares 2019 aufgefu\u0308hrtem Klassiker indes steht jetzt im Ausschank.<\/p>\n<p>Mercutio, Leon Radmacher im richtigen Leben, ist diesmal als Tanzbodenk\u00f6nig auf der Bu\u0308hne unterwegs. Zechbruder Ezechiel (Klaus Stemler) hat vor seiner Rente die RHEINPFALZLokalredaktion in Gru\u0308nstadt geleitet. Der Holl\u00e4nder-Michel des Stu\u0308cks, Willy Hiebert, 75 und begabt, ist aus Paraguay eingewandert und spricht mit leicht ostpreu\u00dfischem Akzent.<\/p>\n<p>\u201eKarl\u201c Markus Barnert erz\u00e4hlt jetzt offen u\u0308ber seine Motivlage: Dass es ihm zun\u00e4chst einmal darum gegangen sei, Anschluss zu finden, als er 2019 mit seiner Familie hergezogen ist. An Bu\u0308hnenpr\u00e4senz hat er bei seinem Vereinseintritt gar nicht gedacht. Mittlerweile sind die Burgspiele fu\u0308r ihn so etwas wie ein \u201edritter Ort\u201c \u2013 der Raum auch fu\u0308r die identit\u00e4tsstiftende Gemeinschaftspflege, um es etwas akademisch auszudru\u0308cken. Fu\u0308r Vereinsmeierei, Pr\u00e4dikat kulturell wertvoll, die touristisch verwertbar ist.<\/p>\n<p>Der Karl nebenher Barnert sagt, wer mitspiele, selbst in einer kleinen Nebenrolle, mu\u0308sse dafu\u0308r in den Probephase aber schon auch drei bis vier Mal die Woche antanzen. So 60 Termine, sch\u00e4tzt er, hat er am Ende im ersten Halbjahr damit zugebracht, nebenher \u201eKarl\u201c zu sein. Man gehe schon eine \u201eVerbindlichkeit\u201c ein. Mache er sehr gerne, sagt er noch. Regisseurin Susanne Rechner derweil besch\u00e4ftigen die Dinge, etwa wie sich die verkauften Herzen in ihrer Hauff- Inszenierung darstellen lassen, oft bis in die Nacht.<\/p>\n<p>Es hat sich einiges ge\u00e4ndert, seit sie nach dem pl\u00f6tzlichen Tod ihres Vaters Willy Rechner, der 1983 starb, fu\u0308r die Regie eingesprungen ist. Mit Mutter Gerlinde an ihrer Seite und zun\u00e4chst einige Jahre, bis er weggezogen ist, mit Carsten G\u00f6\u00dfling als Team. Es l\u00e4sst sich nicht anders beschreiben, aber bei Susanne Rechner ist die Leidenschaft genetisch bedingt. Vater Willy Rechner war auch heilloser Theaterenthusiast. Ein durch den Zweiten Weltkrieg verhinderter Schauspieler, der Lehrer wurde, um bei der Berufung Bu\u0308hne zu bleiben. In Mannheim zuerst, sp\u00e4ter dann in Altleiningen. Das Stu\u0308ck, das zur 1200-Jahr-Feier der Gemeinde 1980 aufgefu\u0308hrt wurde \u2013 \u201eDes Weibes Su\u0308nde ist des Mannes Schuld\u201c \u2013 hat er selbst verfasst. Folgewerke dann, damit nicht ausschlie\u00dflich der Name Willy Rechner im Programmheft steht, unter Pseudonym geschrieben. Pedro Parellio nannte er sich. Und Carlos Ribera.<\/p>\n<p>Anfangs, sagt Tochter Susanne, seien haupts\u00e4chlich Mantel- und Degen-Stu\u0308cke gegeben worden, ganz nach Zeitgeschmack. Ausgew\u00e4hlt wird in einem Gremium. 1997 wollte der Verlag im letzten Moment verhindern, dass das Amateurtheater den Krimi \u201eWarte, bis es dunkel wird\u201c spielt \u2013 und war dann doch mit dem Ergebnis froh. Inzwischen stehen Werke wie George Bernhard Shaws \u201eHelden\u201c, Arthur Millers \u201eHexenjagd\u201c, Jura Soyfers \u201eWeltuntergang\u201c, Shakespeares \u201eSommernachtstraum\u201c oder Carl Zuckmayers \u201eKatharina Knie\u201c auf der Auffu\u0308hrungsliste. Eine Sprecherzieherin ku\u0308mmert sich. Ex-\u201eBurg-Schauspieler\u201c Helgi Schmid ist unter anderem in Reihen wie \u201eTatort\u201c und \u201ePolizeiruf\u201c oder als Sidekick von Matthias Matschke zu sehen gewesen. Paul M. Feldmann, der durch die Altleininger Schule ging, ist fu\u0308r \u201eFett und Fett\u201c (lief auf ZDF neo) als Drehbuchautor fu\u0308r den Grimme-Preis nominiert worden.<\/p>\n<p>H\u00e4nsel und Gretel im WaldSusanne Rechner erz\u00e4hlt jetzt von der schon wie \u00c4onen-fern wirkenden Corona-Zeit. \u201eNicht lustig fu\u0308r uns\u201c, sagt sie. Immerhin haben die tendenziell in der Minderheit sich befindenden Jungen unter den Mitgliedern 2022 aus der Not heraus einen Film gedreht, nach eigenen Ideen: \u201eBright Lights \u2013 Drogen sind keine L\u00f6sung\u201c. Er wurde dann auf der Bu\u0308hne ab- und zu Ende gespielt \u2013 mit einem unterschiedlichen Schluss, u\u0308ber den das jeweilige, notgedrungen sp\u00e4rliche Publikum entscheiden konnte. \u201eH\u00e4nsel und Gretel\u201c ist als Stationendrama im Wald aufgefu\u0308hrt worden. Au\u00dferdem haben die Burgspiele Altleiningen in der Zeit beschlossen, den Rhythmus zu \u00e4ndern. Statt jedes Jahr im Sommer eine gro\u00dfe Produktion wie \u201eDas kalte Herz\u201c zu stemmen, werden jetzt in jedem zweiten Jahr zwei kleinere Produktionen im Fru\u0308hjahr und Herbst folgen, die Susanne Rechner, sagt sie, \u2013 \u201esoweit das geht\u201c \u2013 anderen u\u0308berlassen will. Mehr gehe \u2013 auch bei ihr selbst \u2013 nun mal nicht, sagt sie noch. Bei aller Liebe. Der nette Markus Barnert, der noch drei Mal zum un-netten Karl mutiert fu\u0308r dieses Jahr, l\u00e4chelt. Der Kulturreporter tritt beeindruckt ab.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4dikat wertvoll Quelle: Rheinpfalz vom 28.07.2023 &#8211; Markus Clauer Kulturreporter to go: Beim Verein Freilichtbu\u0308hne Burgspiele Altleiningen, einem Theaterenthusiasten-Projekt, das seit 43 Jahren existiert und bei dem sich freundliche Umweltingenieure in fiese Glasbl\u00e4ser verwandeln. 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